Förderprojekt im Rahmen des HFF-Jahresstipendiums für Medienkunst der Kirch-StiftungDatum, Öffnungszeiten und Ort:
03.-31.10.2009
tgl. von 15.00 bis 23.00 Uhr
Finissage am 31.10.2009 um 19.00 Uhr
Atelier in der Bavariastraße 6a, München
Eintritt frei
Anmeldung erbeten unter:
Tel. 089/570 884 78 oder six.doors@yahoo.de
Wegbeschreibung:
nach der Presse-Information unter
"WO FINDET MAN DIE SIX DOORS?"
PRESSE-INFORMATION
Cornelia Prößl, 29.09.2009
Im Kabinett der Spione
Six Doors
Sechs Räume, sechs Frauen, sechs Geschichten
Eine mediale Kunstinstallation – Förderprojekt im Rahmen des HFF-Jahresstipendiums für Medienkunst der Kirch-Stiftung
München – In der Münchner Bavariastraße 6a gibt es vom 3. bis 31. Oktober 2009 eine mediale Kunstinstallation zu sehen, die auf einer ebenso einfachen wie genialen Idee beruht: Ein achteckiger Raum mit sechs Türen ermöglicht über Türspione Einblick in sechs weitere achteckige Räume. Beim Besucher entsteht so der Eindruck, dass die Zimmer hinter den Türen und ihre Bewohnerinnen real existieren und er quasi Tür an Tür mit ihnen lebt, obwohl es sich lediglich um filmische Aufnahmen handelt. Zugleich suggerieren die je sechs Türen auch der virtuellen Räume die Illusion der Unendlichkeit: Raum und Leben offenbaren sich dem Betrachter als endlose Wabenstruktur.
Sonja Maria Kröner, Studentin der Abteilung Kino- und Fernsehfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München, erhielt im Juli letzten Jahres für ihren Projektvorschlag „Six Doors“ das HFF-Jahresstipendium für Medienkunst der Kirch-Stiftung. Die Jury begründete die Vergabe des Stipendiums an Kröner wie folgt: „Mit der allegorischen Raumskulptur ‚Six Doors’ öffnet sich im wahrsten Sinne des Wortes ein medialer Raum für Reflexion über das Leben, das Alter und die Vergänglichkeit des Seins.“
Das Resultat ihrer Stipendienarbeit präsentiert Kröner vom 3. bis 31. Oktober 2009 im Münchner Atelier in der Bavariastraße 6a – gemeinsam mit ihrem Projektpartner Siegmar Warnecke, Drehbuchautor und Regisseur für Film und Theater sowie Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film München.Beim Eintritt in das Atelier wird der Besucher zunächst mit einem riesigen schwarzen Kubus überrascht. Wagt er sich in das Innere des Kubus, erwartet ihn dort ein achteckiger Raum: Die Innenarchitektur von „Six Doors“ folgt dem oktogonalen Grundriss eines Zentralbaus, wie er in früheren Epochen oft bei Sakralbauten (z.B. Felsendom Jerusalem, Pfalzkapelle des Aachener Doms) sowie bei säkular-repräsentativen Gebäuden (z.B. Pagodenburg im Schlosspark Nymphenburg) verwendet wurde. – Kröners ursprüngliche Überlegung hierzu: „Jede Erfahrung braucht ihren eigenen Raum. Und ähnlich wie in früheren Epochen ‚Sinnbilder’ immer ihren Platz an einem ihrer Bedeutung angemessenen Ort fanden, soll auch für die Allegorie ‚Six Doors’ ein eigens für sie geschaffener Raum mit seinen ganz eigenen Rezeptionsbedingungen geschaffen werden.“

Entsprechend der im Projekt reflektierten sechs Lebensalter einer Frau weist der wabenförmige Innenraum an seinen sechs Seitenwänden je eine Tür mit einem Spion auf. Die Türen sind allerdings verschlossen. Einen Einblick in die Welt jenseits der Türen gewähren lediglich die Spione. – Schließlich erlebt man jedes Lebensalter nur einmal. Ein Zurück in die Kindheit oder der vorzeitige Eintritt in ein noch folgendes Lebensalter ist im realen Leben nicht möglich. Man kann sich höchstens zurückerinnern oder die Zukunft erahnen.
In den Erfahrungsraum von „Six Doors“ gelangt der Besucher „auf allen Vieren“ – durch eine niedrige Schleuse. Um Wahrnehmung und Erlebniswert zu intensivieren, werden die Besucher nur einzeln in den Raum eingelassen. Durch die Türen dringen gedämpft Geräusche in das Zimmer. Unterschiedlichste Fragen, Erfahrungen und Illusionen können sich auftun: Was passiert jetzt? Bin ich eingesperrt? Wie komme ich hier wieder raus? Ist es ein kafkaesker Warteraum oder eine Art moderner Kultraum? Was verbirgt sich hinter den Spionen?
Bei einem Blick durch die Türspione wird die gewohnte Wahrnehmung weiter durchbrochen und verfremdet. Durch jeden der sechs Spione sieht der nunmehr zum Voyeur werdende Zuschauer eine andere filmische Aufnahme eines identischen achteckigen Raums, der von Tür zu Tür von Frauen in unterschiedlichen Lebensaltern bewohnt und dementsprechend umgestaltet ist: ein leerer Raum mit einem Säugling, ein spielendes Mädchen im Kinderzimmer, ein Teenager im Bad, eine 30-Jährige in einem Rohbau, eine Dame in ihren Fünfzigern im Schlafzimmer und eine „Oma“ in ihrer Küche.
Die mediale Installation von „Six Doors“ zielt auf die Entstehung einer illusorischen räumlichen Wahrnehmung ab, die den Zuschauer glauben lassen soll, dass die Zimmer hinter den Türen und ihre Bewohnerinnen real existieren und er quasi Tür an Tür mit ihnen lebt. – Schließlich „bewohnt“ er ja gewissermaßen den siebten Raum und wird somit selbst zum Teil dieses Kristalls aus sich immer wieder von vorne und somit sich ins Unendliche abspielenden virtuellen Lebensbildern.
Wenn es sich bei diesen auch um künstlerisch-ästhetische Bilder handelt, thematisch ließen sich Kröner und Warnecke zu ihrer modernen, medialen Allegorie von eigens durchgeführten dokumentarischen Recherchen inspirieren: Interviews, Fotografien, Wohnungssituationen, Tagesabläufen, Wünschen, Ängsten, Sehnsüchten, wissenschaftlichen Untersuchungen etc.
Kontakt:
Atelier Six Doors
Sonja Kröner und Siegmar Warnecke
Bavariastraße 6a
80336 München
Tel. 089/570 884 78
six.doors@yahoo.de







